Unser Informationsservice zum Thema
KOPFSCHMERZEN
Teil 1
Nahezu jeder Mensch
leidet im Laufe seines Lebens gelegentlich an
Kopfschmerzen.
In aller Regel sind sie harmlos, meist besteht ein erkennbarer Zusammenhang mit
bestimmten Situationen (außergewöhnlicher
Streß, zu wenig Schlaf,
übermäßiger Alkohol- und/oder Nikotingenuß usw.).
Wenn
Kopfschmerzen aber
ohne erkennbare Ursache neu auftreten und längere Zeit anhalten oder immer
wieder kommen, so müssen zum Ausschluß organischer Ursachen unbedingt
folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
Wenn Kopfschmerzen schon Jahre bestehen, sich aber die Symptome (= Krankheitszeichen) deutlich ändern, so müssen diese Untersuchungen ebenfalls durchgeführt werden.
In den allermeisten Fällen können bei
Kopfschmerz en keine
krankhaften Befunde erhoben werden. Die Diagnose stellt der Arzt aufgrund der
Anamnese (=
Krankheitsvorgeschichte). Da
Kopfschmerz
en in vielen Variationen auftreten und z.T. auch sehr unterschiedlich
behandelt werden, muß die Erhebung der
Schmerzanamnese
(=
Schmerzvorgeschichte)
sehr gründlich erfolgen. Es empfiehlt sich, auch bei Patienten mit
Kopf
schmerzen einen
standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle Kriterien zu
erfassen (Lokalisation, Dauer und Häufigkeit von
Kopf
schmerzen, Angaben
zur Schmerzqualität usw.).
Erfolg oder Mißerfolg einer Therapie anhaltender
Kopf
schmerzen wird,
besonders bei Prophylaxeversuchen
(= Versuche zur Vor
beugung), erst durch Dokumentation aller Kopfschmerzereignisse über einen längeren
Zeitraum (Kopfschmerz
-Tagebuch) beurteilbar. Wichtig ist auch die Erhebung einer biographischen
Anamnese (= Erhebung
der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten),
um den Einfluß psychischer Belastungen auf das Schmerzgeschehen im Sinne einer
Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.
Hier nun eine Übersicht der verschiedenen Kopfschmerzformen
|
1.1 Migräne |
|
- ohne Aura |
|
- mit Aura |
|
- andere Mig räneformen |
|
1.2
Kopfschmerzen vom Spannungstyp |
|
1.4 Andere Primäre Kopfschmerzen (Auswahl): |
|
- neu aufgetretener Dauerkopfschmerz (engl.: new daily persistent headache) |
|
- Ko pfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom |
|
- Ko pfschmerzen als Begleitsymptom |
|
- Mig räne und Spannungskopfschmerz |
|
- Mig räne und Ergotamin-Kopfschmerzen |
|
- Spannungs- und Schmerzmittel-Kopfschmerzen |
|
- andere Kombinationen |
1. Primäre Kopfschmerzen:
Dieser Begriff bezeichnet Kop fschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zu symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kop fschmerzen nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1 Migräne: Was die Presse über unsere Migränebehandlung berichtet: www.1-migraene.de/artikel1
Bei der Mig räne treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt Halbseitenkopfschmerz en (Hemicrania) auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und Nervenstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Mig räne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Mig räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig räne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Mig räne ohne Aura |
|
Mig räne mit Aura |
|
Mig räne mit typischer Aura |
|
Mig räne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Mig räne |
|
Mig räneaura ohne Kop fschmerzen |
|
Mig räne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig räne |
|
Retinale Mig räne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem iplegie in der Kindheit |
|
Mig räne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infar kt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig ränekop fschmerzen ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Schmerztherapie:
Zunächst muß der Patient eingehend über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß
situationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild der Mig
räne
kop
fschmerzen
eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten
Anzeichen erfolgen.
Werden die
Migränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum
Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid
sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft,
diese Substanz vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg
Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr
bewährt, bei heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) ist bei bereits
voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(= Nerven an der Augenbraue)
(je ca. 0,5ml), occipitales major
(= Nerven am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfe
nregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Therapie nicht nur
auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige
Migräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Therapie schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kopfschme
rzen in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen bei Migränekopfschmerzen
bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Therapie der Mig
räne:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn eine
Migräneattacke
mindestens zwei mal pro Monat auftritt. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status migraenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infar
kt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Wenn die
Migränenfälle
gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente
(z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung bei
Migränekopfschmerzen auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) lohnend,
besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich
konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990 1990). Dabei
betäuben wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden
Nerven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Therapie durch tiefe Infiltration
der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist bei Mig
räne
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden
zur Therapie einer Mig
räne:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Therapie)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Hier gelangen Sie zur Fortsetzung (Teil 2): www.1-kopfschmerzen.de/kopfschmerzen (einfach anklicken)
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Aktualisiert: 04.12.2006
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aktualisiert: <01.01.2007</> k u